Projektgeschichte


Broschüre 30 Jahre Frauenzentrum Schokofabrik

Die Broschüre kann hier im PDF-Format heruntergeladen werden.



Aktion "36 Ladies"/ Foto und Montage von Petra von den Berg

Foto und Montage von Petra von den Berg

Was steht hinter der Aktion: "Wir sind Kreuzberg -36 Ladies"?

Eine Fotoaktion des Frauenzentrums Schokofabrik im April 2008


„Wir sind Kreuzberg - 36 Ladies“! Mit dieser Fotoaktion machte das Frauenzentrum Schokofabrik in der Kreuzberger Naunynstraße darauf aufmerksam, dass es auch eine andere Seite dieser Straße gibt. Denn nur zu oft berichten die Medien über diesen Kiez mit dem Beinamen SO 36 in Negativschlagzeilen, mit Vorliebe über gewaltbereite junge Männer. Die vielen positiven Projekte bleiben hingegen unerwähnt. Die „36 Ladies“ rund um die Schoko verstehen sich als Stellvertreterinnen für all die Frauen und Mädchen, die in SO 36 sehr viel auf die Beine stellen und damit den Kiez, Kreuzberg und die Stadt Berlin bereichern.

„36 Ladies“ ist als Anspielung gedacht auf die „36 boys“, die ihren Namen vom früheren Postzustellbezirk SO 36 ableiteten. In den achtziger Jahren machten sie den Kiez unsicher, geblieben ist der Schriftzug auf T-Shirts. Zweimal schon erschien im Spiegel ein Foto, das die Naunynstraße als „Aufmarschgebiet“ von gewaltbereiten jungen Männern zeigt. Einer davon trägt ein derartiges T-Shirt (Nr. 38/2007 und Nr. 2/2008). In einem Artikel wurde die Naunynstraße sogar als no-go-area bezeichnet. Der Begriff stammt aus einem Bericht des Berliner Senats.

Wir vom Frauenzentrum Schokofabrik wehrten uns gegen die einseitige Darstellung unserer Straße und unseres Kiezes in den Medien. Wir wollten mit unserem Foto die Botschaft verbreiten: „Schaut nicht immer nur auf die bösen Jungs, schaut auch endlich mal auf die Mädels! Wir zeigen Euch ‚the other side of Naunynstraße‘.“

Wir sind die „36 Ladies“. Wir leben gerne hier und haben mit der tatkäftigen Unterstützung von Genossinnen und Sponsorinnen im Dezember 2004 die Häuser des Frauenzentrums Schokofabrik in der Naunyn-und der Mariannenstraße gekauft. Nur mit Frauenkapital haben wir eine Genossinnenschaft gegründet und damit den Erhalt unseres Frauenzentrums gesichert. Hätten wir das nicht geschafft, wären unsere Häuser von der GSW (Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft) an einen amerikanischen Investor verkauft worden. Unsere Mieten wären dann unbezahlbar geworden.

In SO 36 gibt es gewaltbereite junge Männer mit Waffen und Kampfhunden. Das ist eine Realität.
Doch es gibt auch die andere Seite, das heißt viele Frauen und Mädchen - und im Übrigen auch Männer und Jungs - die in SO36 viel Positives auf die Beine stellen. Was die Frauenseite anbelangt, so können wir mit großem Stolz darauf verweisen, dass wir seit 1981 auf 1200 Quadratmetern das größte Frauen- und Lesbenzentrum Europas aufgebaut haben. Dazu gehört viel Idealismus und Engagement. Rund 800 Frauen nutzen die vielfältigen Angebote der Schoko wöchentlich. Die Schoko ist damit ein gelungenes Stück „Kreuzberger Mischung“, mit Arbeiten und Wohnen unter einem Dach. Sie ist Frauenzentrum, Arbeitgeberin, Soziales Projekt und Wohnhaus in einem und damit einzigartig nicht nur in Berlin, sondern darüber hinaus!

„Wir sind Kreuzberg - 36 Ladies“ Mit unserer Fotoaktion wollten wir auch darauf aufmerksam machen, dass wir weiterhin dringend neue Genossinnen suchen.

Mai - August 2008 wurde beispielsweise ein neues Café zur Straße hin ausgebaut, das unter dem Motto steht „für Frauen und ihre Freunde“. 50.000 Euro Kapital benötigten wir für Schall- und Feuerschutzdecke, sowie den barrierefreien Zugang. Diese Ausgaben mussten wir selbst bewerkstelligen.
Die Bar Marianne hat nun täglich ab 18 Uhr (Dienstags Ruhetag) geöffnet.
Nähreres unter www.marianne-berlin.de

Initiert und konzipiert wurde die Fotoaktion 36 Ladies von der Journalistin und Schriftstellerin, Ute Kätzel.
Unter ihrer Leitung findet seit Dezember 2008 eine regelmäßige Schreibgruppe in der Schoko statt, die den Namen "36 Ladies - Schreib deine eigene Geschichte" trägt.  Zum internationalen Frauentag am 08. März 2010 wurden erstmals in der Gruppe entstandene Texte vorgestellt. Die szenische Lesung fand in der Bar Marianne statt.